Schneller reagieren im Katastrophenfall dank CT Analyst
14.02.2012

Seit dem Angriff auf das World Trade Center im Jahr 2001 ist die Angst vor terroristischen Anschlägen groß. Mit der Computersoftware CT-Analyst, gemeinsam entwickelt vom Naval Research Laboratory (NRL) in Washington und dem Meteorologischen Institut der Universität Hamburg, können Hamburger Behörden ab sofort schneller auf Giftgasanschläge oder -unfälle reagieren. Das Programm, das unter anderem im Windkanal am KlimaCampus getestet wurde, simuliert in Echtzeit, wohin die Schadstoffwolke treibt – eine wichtige Information für Einsatzkräfte.

Sieht bunt aus, kann aber gefährlich sein: eine Gaswolke in der Hamburger Innenstadt

Im Rahmen einer Pressekonferenz im Rathaus Ende Januar wurde die marktfähige Software offiziell der Innenbehörde übergeben. "Die Investition von Geld, Zeit, Schweiß und Nerven hat sich gelohnt", sagte Innensenator Michael Neumann und dankte den Projektpartnern.

Alle Beteiligten seien neue Wege gegangen: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hätten sich auf die Zusammenarbeit mit einer Behörde eingelassen, während diese einem Forschungsprojekt mit unsicherem Ausgang zugestimmt habe.

Während der zweijährigen Projektphase arbeitete die Universität Hamburg erfolgreich mit dem Laboratory for Computational Physics and Fluid Dynamics des NRL, der Hamburger Innenbehörde sowie mit Polizei und Feuerwehr zusammen.

Unfall oder Anschlag: Schnelligkeit ist entscheidend

Ob bei einem Anschlag oder einem Industrieunfall  - Einsatzkräfte müssen schnell erkennen, wo Hilfskräfte eingesetzt werden sollen. Eine Situation, bei der jede Sekunde zählt. "Mit CT-Analyst wissen wir, was zu tun ist", sagte Feuerwehrchef Klaus Maurer. Hamburg verfüge jetzt über eine Spitzentechnologie – ein "zentrales Element zum Schutz der Bevölkerung". 

Anwendungsbezogene Forschung

Wie das Programm funktioniert, demonstrierte Prof. em. Michael Schatzmann, der das Projekt am KlimaCampus der Universität Hamburg zusammen mit Prof. Bernd Leitl geleitet hat. Er gab in die Maske des Programms Windrichtung, Austrittsort und Art des Giftes ein. Die Simulation zeigte daraufhin einen beweglichen bunten Fleck, der sich auf der digitalen Karte Hamburgs rasch vom Hafen Richtung Innenstadt ausbreitete.

"Neu ist, dass die Software sehr schnell ist" erklärte er. Lange Rechenzeiten können umgangen werden, da das Programm auf vorher mit großem Aufwand errechnete Ergebnisse zurückgreift. Dies macht eine Berechnung der Giftgaswolke in Echtzeit möglich. "Auch die Bebauungsstruktur wird in den Ausbreitungsprozess einbezogen", fügt Schatzmann hinzu. In dünn besiedelten Außenbezirken würden sich Schadstoffe anders ausbreiten als in dicht bebauten Innenstädten.

Um zu prüfen, wie exakt das Programm arbeitet, wurden im Hamburger Windkanal monatelang Testläufe durchgeführt. Dazu wurde die komplette Hamburger Innenstadt im Modell nachgebaut. Im April 2011 fand dann ein reales Gasexperiment im Hafen statt, um die Funktionsfähigkeit und die Zuverlässigkeit des Programms zu testen. Dazu wurde von Bord eines Löschbootes in der Nähe der Elbphilharmonie auf der Elbe ein ungiftiges Messgas freigesetzt und dessen Ausbreitung gemessen. Das freudige Ergebnis: CT-Analyst arbeitet zuverlässig und genau.