Köppen Preis 2011: Dr. Ines Heßler und Dr. Florian Rauser
Ines Heßler vom Marum; Foto: V. Diekamp, MARUM
Florian Rauser vom Max-Planck-Institut für Meteorologie; Foto: T. Rauser

"In diesem Jahr ist uns die Entscheidung nicht leicht gefallen", sagt Juror Prof. Dr. Jürgen Sündermann. "Die nominierten Arbeiten zeigen durchweg ein hohes wissenschaftliches Niveau. Wir haben uns deshalb entschlossen, den Preis diesmal an zwei junge Forscher zu verleihen, deren Arbeiten besonders innovativ und richtungsweisend sind." Die Auszeichnung erhielten die Geologin Ines Heßler vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen (MARUM) und der Physiker Florian Rauser vom Max-Planck-Institut für Meteorologie Hamburg. 

In ihrer Dissertation stellt Ines Heßler Klimaveränderungen während der letzten Eiszeit in den Fokus. Dafür untersuchte sie Meeressedimente, die sich vor der Küste Südwest-Afrikas abgelagert hatten. Die Sedimente sind Archive der Klimageschichte, da sie Informationen über Veränderungen von Meeresströmungen und der Pflanzenwelt auf dem angrenzenden Kontinent während der Kaltzeit liefern. Pflanzenpollen bilden den Schlüssel zur Vergangenheit: Mithilfe der Jahrtausende alten Ablagerungen aus Blütenstaub rekonstruierte Ines Heßler die Vegetations- und Klimageschichte Angolas sowie des südlichen Kongo-Beckens. Kalkiges Plankton, die Überreste winziger Meeresorganismen, lieferten ihr zudem Aufschluss über eiszeitliche Veränderungen von Meeresströmungen vor der Küste Angolas. Diese Befunde ermöglichten Rückschlüsse auf die Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre und Ozean. Durch die Auswertung von Vegetationsdatensätzen aus dem tropischen Afrika und Südamerika zeigt die Geologin darüber hinaus einen Zusammenhang zwischen abrupten Klimaschwankungen während der letzten Eiszeit und Veränderungen der regionalen Vegetation auf. 

Florian Rauser erforscht in seiner Arbeit zur Klimamodellierung eine Schlüsselfrage der geophysikalischen Strömungsdynamik: Wie lassen sich bei der numerischen Simulation von Gasen und Flüssigkeiten Fehler quantifizieren? Er legt dabei neue Verfahren zur modellunabhängigen Fehlerabschätzung vor. Seine Kernthese lautet, dass beliebig komplizierte gitterbasierte Computermodelle mit dem von ihm entwickelten Algorithmus selbständig lernen können, wo sie Fehler produzieren – ohne dass der Anwender das jeweilige Modell in all seinen Feinheiten verstehen muss. „Florian Rauser liefert einen fundamentalen Beitrag zur Abschätzung der Zuverlässigkeit von Modellen im Bereich der geophysikalischen Strömungsdynamik. Seine Arbeit ist daher nicht nur methodisch, sondern auch wissenschaftlich sehr innovativ“, so die Jury. 

Die diesjährigen Preisträger teilen sich zwar den Preis, nicht aber das Preisgeld und können somit jeweils die volle Summe für weitere wissenschaftlichen Vorhaben verwenden.